- Geschrieben von: Tristan Jorde
- Kategorie: WikiStade
Wo „Biomasse-Heizkraftwerk“ draufsteht, ist „Verbrennung von Sonderabfällen“ in Bützfleth drin.
Der Stader Rat stimmte mit großer Mehrheit für das geplante Heizkraftwerk.
Einige Ratsmitglieder bekannten sich zu ihrer Unkenntnis zum Projekt und mahnten, man „müsse einfach der Verwaltung vertrauen“.
Dieses Vertrauen ist sehr schwierig, wenn bereits der Projekttitel ein riesengroßer Etikettenschwindel ist. Was so heimelig nach Holzkamin mit behaglicher Wärme im Großformat klingt, ist in Wahrheit eine Verbrennungsanlage für hochgefährliche Abfälle, im Volksmund gerne Sondermüllverbrennung genannt.
Tatsächlich werden vornehmlich Althölzer der Kategorien III und IV verbrannt, und die sind mit einem ganz breiten Spektrum von zum Teil hochgiftigen Anstrichen und Holschutzmitteln imprägniert.
Das Kreislaufwirtschaftsgesetz schreibt für Altstoffe eine strenge Hierarchie vor: Vermeiden heißt, weniger Gebäude abreißen, mehr sanieren. Holz als Bauteile einsetzen, also wiederverwenden.
Oder stofflich verwerten zum Beispiel in der Spanplattenproduktion. Dann erst kommt die thermische Verwertung, also verbrennen, den stetig kleiner werdenden, nicht mehr vermeid- und verwertbaren Rest entsorgen.
In Deutschland wird viel zu wenig stofflich verwertet, weshalb große Mengen von Altholz etwa für die Spanplattenproduktion importiert werden müssen. Das Umweltbundesamt geht pro Jahr von neun Millionen Tonnen Altholz aus, wovon 1,8 Millionen Tonnen sogar importiert werden.
In Deutschland gibt es schon mehr als ausreichende Kapazitäten zur Altholzverbrennung, weshalb für die neue Anlage in Bützfleth große Mengen zum Teil hochgiftiges Altholz aus dem Ausland importiert werden müssen.
Ist Wahnsinn, hat doch Methode. Das Altholz stößt bei der Verbrennung eine große Menge an hochgiftigen Schadstoffensud aus, der eben nicht einfach rausgefiltert werden kann. Hier Beispiele der giftigen Fracht, die in großen Mengen nach Stade importiert werden sollen:
Zum Beispiel die anorganischen Holzschutzmittel:
Bor sowie Chrom, Kupfer, Quecksilbersalze, Schwermetall-Chloride und -fluoride, Ammoniumsalze.
Oder auch organische Holzschutzmittel: etwa hochgiftige Teeröle, PAK haltig, chlorierte und fluorierte aromatische Verbindungen: PCP, PCB, DDT, HCH, Phenylquecksilber, Organozinnverbindungen.
Bei Durchsicht der publizierten Abgaswerte der Schwesteranlage der Hansekraft in Enmlichheim im westlichen Niedersachsen ergeben sich erstaunliche Werte, die auf die lokale Bevölkerung so herabgelassen werden.
Zunächst die Anlagendaten aus Emlichheim:
Input 180 000 Mg/a, Bützfleth 500 000Mg/a, Anlagen-Faktor 2,8.
Abgas 112 000 Nm3/h, 340 Betriebstage sind 8180 Betriebsstunden im Jahr.
Dort werden folgende Abgaswerte nach der Abgasreinigung aus dem Schornstein geblasen:
HCl 10mg/m3,
0,03 mg/m3 Hg. Hier liegt die Anlage deutlich schlechter als vergleichbare Anlagen in einer UBA-Studie zur Altholzverbrennung.
0,03 mg/m3 As
0,42mg/m3 Pb,
je 0,14mg/m3 Cr, Cu,
0,07mg/m3 Ni
Das ergibt folgende rechnerische Gesamtfrachten im „gereinigten Abgas“, Jahresfracht bei 8180 Betriebsstunden/a, dahinter Skalierung für Stade mit dem Anlagen-Faktor 2,8:
Salzsäure 1,12 kg/h, 9 Mg/a, Stade 25 Mg/a.
Quecksilber, Arsen 3,4 g/h, 2,7 kg/a, Stade 7,6kg/a
Blei 47g/h 385 kg/a, Stade 1 Mg/a.
Kupfer, Chrom, je 15,7g/h, 128 kg/a, Stade 360 kg/a.
Nickel: 7,8g/h, 64kg/a, Stade 180kg/a
Das sind satte Werte. Was hier als „Biomasse“ beschrieben wird, ist in Wahrheit ein abenteuerlicher Giftcocktail, der nur zum Teil von den geplanten Rauchgasreinigungsstufen zurückgehalten wird.
Zeit, hier die Notbremse zu ziehen und Nein zu sagen.
Im Gegensatz zur vertrauensselig, unwissend stellenden Mehrheit des Rates. Nun, dieses Vertrauen ist schon sehr schwierig, wenn bereits der Projekttitel ein riesengroßer Etikettenschwindel ist.
Zeit, hier die Notbremse zu ziehen und Nein zu sagen.


