GesichtsmaskeSchokolade senkt den Blutdruck und ist gut für das Gehirn. Man kann sie als Gesichtsmaske auftragen oder in einer Ganzkörper-Massage genießen. In der Mexikanischen Küche ist Schokolade ein wertvolles Ingredienz. Und wer genießt es nicht in Barcelona, Churros in dickflüssiger heißer Xocolata tu tünchen?

Doch der weltweit beliebte Stimmungsmacher kann ganz schön problematisch sein. Konflikte um Profit oder Ansteckung durch Pilze und Viren machen der wertvollen Pflanze zu schaffen. Und in Brasilien war sie einst Anlass zum bislang einzigen erwiesenen Fall von privater biologischer Kriegsführung (s. unten „Das Land der goldenen Früchte“).

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Liebhaber von Süßigkeiten aufgepasst: Ein Preissturm kommt unabwendbar auf uns zu. Schon die Osterhasen waren in diesem Jahr merklich teurer, klagten Konsumenten in den USA. Der Anstieg kommt aber nicht schlagartig: Der Preis an den Börsen steigt erst mit Verzögerung, denn Produzenten legen Vorräte an. „Die Teuerung ist aber nicht zu vermeiden,“ meint ein Händler in Bremen, „wir rechnen mit bis zu 200 Prozent bis zum Ende des Jahres“.

Zwei Faktoren bedrohen die wertvolle Frucht, aus der die Kakao-Bohne gewonnen wird: Illegale Goldsucher zerstören ganze Plantagen, indem sie mit Wasser die Erde wegspülen und den Boden verseuchen (in dieser Reportage von Reuters ist der Schaden eindrucksvoll zu sehen: https://www.reuters.com/investigates/special-report/westafrica-cocoa/

Dazu kommen Krankheiten. Der Badnavirus (englisch swollen soot) hat alleine in Ghana schon 590'000 Hektar befallen. Ghana und das Nachbarland Elfenbeinküste lieferten bislang 60 Prozent der Weltproduktion. Das wird sich nun drastisch ändern. Spezialisten erkennen eine gefährliche Mischung von Ursachen, die allesamt nicht kurzfristig zu bekämpfen sind: Gold Minen sind am sichtbarsten, und die kranken Bäume. Dazu kommen schlechtes Management der Behörden und der Klimawandel.

Ignorante Regierungsstellen beklagt auch die Agronomin Diana, die in Kolumbien eine Kakao-Farm bei Santa Marta leitet. „Die Techniker, die mit ihren Pestiziden anrücken, kommen mir nicht auf das Grundstück,“ versichert sie, „hier ist alles bio. Die angeblich modernen Methoden machen alles nur schlimmer.“

Kakau Bophnen trocknen

Die von Diana mit ihrem Mann geleitete Farm hat einen seltsamen Ursprung. Der von der US-Regierung finanzierte „Plan Colombia“ sah vor allem Waffen für Polizei und Militär im Kampf gegen Drogenbarone vor. Doch sozusagen als Abfallprodukt wurde drei Jahre lang der Anbau von Kakao gefördert, um die Bauern von der Coca-Produktion weg zu locken. Das hat zum Teil funktioniert.

Nicht nur Behörden stehen auf Dianas Klageliste. „Die Schokolade-Hersteller beherrschen den Markt und verfälschen oft das Produkt.“ In Nutella etwa steckt nur ein kleiner Prozentsatz fettarmer Kakao (eine genaue Zahl war nicht zu finden, aber es soll weniger als die 7,5% des Magermilch-Pulvers sein: https://fiinuh.de/nutella-inhaltsstoffe-kalorien/).

Kakau Frucht offen„Die Kakaobutter wird abgetrennt,“ erklärt Diana, „und dann als weiße Schokolade viel teurer verkauft. Also mehr Gewinn für weniger Produkt“.

 

 

Das Land der goldenen Früchte

Bioterrorismus als Waffe für den Klassenkampf – die seltsame Geschichte des Hexenbesens in Bahia.

 

Wer rücksichtslos war, konnte reich werden in Itabuna. Sehr reich. Und wer reich war, entschied ungestraft über das Leben anderer: Streit um den Besitz von Land beendete ein Coronel, ein Gutsherr, gerne schnell und einfach durch einen Schuss aus dem Hinterhalt.

Es war eine Zeit, in der Nachrichten nicht schneller reisten, als ein Mann durch den Wald reiten konnte. Es war eine Zeit, in der alles einfacher war. Die Willkür und Habgier der Herrschenden war so krass, dass auch der sachlichste Bericht wie ein marxistisches Pamphlet klingen muss. Der brasilianische Schriftsteller Jorge Amado beschrieb seine reiche, blutige Heimat Bahia in seinen Romanen:

„Kakao ist Geld, Macht, das ganze Leben; er ist verwurzelt in den Menschen, nicht nur im schwarzen, saftigen Boden. In jedem wuchs er heran und warf auf jedes Herz eine dunkle Hand, die gute Gefühle auslöschte.“ (Jorge Amado, Das Land der goldenen Früchte).

Ein Jahrhundert später sind die Sitten meist weniger rau, doch die wirtschaftliche Macht der Kakao-Barone ist ungebrochen. In einer Kneipe von Itabuna beschließen fünf Männer, dem ein Ende zu setzen. Dabei geht es ihnen nicht um persönlichen Vorteil: dies ist politisch, Klassenkampf pur.

Die fünf Männer in der Kneipe hecken einen Plan aus, den man heute Bioterrorismus nennen würde. Damals, Ende der 80er Jahre, war Terror noch kein alltäglicher politischer Begriff. Doch ihre Aktion war der bislang größte und erfolgreichste biologische Angriff gegen die Wirtschaft eines Landes, der nicht von einer Regierung ausgelöst wurde. Die fünf Männer führen gezielt den Pilz Crinipellis perniciosa ein, die gefürchtete Kakao-Pest Hexenbesen. In den folgenden Jahren erleidet Brasilien Verluste von 15 Milliarden Dollar, die Produktion des weltweit zweitgrößten Kakao-Exporteurs stürzt von 450 Millionen Tonnen auf nur 150 Tausend. Die herrschende soziale Schicht von Bahia ist bankrott. Heute sind ihre Feinde an der Macht. Klassenkampf perfekt.

Ob die vom reumütigen Täter Luis Henrique Franco Timóteo erzählte Geschichte genau so ablief, ist ungewiss. Zwar befand Denise Dias de Oliveira Cavalcanti, Bundespolizistin in Ilheus, dass die Verbreitung des Hexenbesens im Bundesstaat Bahia eindeutig „ein gezielter Menschlicher Akt war.“ Doch Beweise gegen die angeblichen Mittäter Franco Timóteos hatte sie keine. Die Suche danach stellte Staatsanwältin Fernanda Alves de Oliveira ein, da das Verbrechen verjährt sei.

Ein paar Jahrzehnte später hat sich Brasilien wieder auf den 6. Platz der Kakao-Produzenten hoch gewirtschaftet. Ein Fazendeiro, ein Gutsherr, erkennt nun ein seltsames Phänomen. „Nichts von alledem, was die Techniker der Regierung uns vorgeschrieben haben, hat funktioniert, „versichert er. „Aber in den entlegensten Ecken unserer Plantagen, wo wir einfach nicht mehr hinkamen mit all den diversen Maßnahmen, „da haben sich die Bäume von alleine erholt. Man läßt die Natur offenbar am besten einfach in Ruhe.“