- Geschrieben von: Walter Tauber
- Kategorie: Umwelt
Wo ist der Naturschutz geblieben?
Sind wir verrückt geworden? Ich meine wirklich völlig ausgerastet?
Wir wissen schon lange, sehr lange, wo es lang gehen müsste. Ich habe bereits Anfang der 70er Jahre “grün” argumentiert in politischen Debatten. Und ich war weder der erste noch der einzige. Jetzt sehe ich vor allem Befürworter kostspieliger Technologie unter denen, die sich Grün nennen. Und sogar zu Olivgrün mutierte Kriegstreiber.
Wir sitzen zuhause und schauen einem Genozid zu. Wir rechtfertigen den sogar. Unterstützen ihn. Liefern Waffen. Die ganze Welt wendet sich ab von dem, was wir so gerne “Wertewesten” nennen. Aber wir merken nicht einmal, wie hohl das Wort “Wert” aus unserem Munde klingt.
Wir lassen uns in einen Krieg hinein drängen, den wir leicht hätten verhindern können. Wir haben das Wort Diplomatie vergessen. Und wir bilden uns ein, dass handfeste Interessen – nicht die unseren – die durch das Zauberwort “Werte” getarnt werden, auch für uns von Bedeutung seien.
Immer mehr Menschen in Afrika oder Asien schütteln nur noch den Kopf und denken: “Europa hat fertig”.
Aber darum geht es mir heute nicht. Mir geht es um Klimaschutz. Warum löst das Wort in mir eine so starke kognitive Dissonanz aus? Das kennen wir doch alle: Dieses unangenehme Gefühl, dass die wahrgenommene Wirklichkeit auseinander klafft mit dem, was unser Empfinden uns sagt. Ja, mein Bauchgefühl ist wichtig. Aber wenn die Tagesschau mir jeden Tag so berichtet, wie ich partout nicht fühlen kann, dann gebe ich mich doch geschlagen. Oder? Job, Familie, Inflation, Hypothek. Und immer die Angst. Laut Rainer Mausfeld ist sie der wichtigste Treiber, sei es vor Pandemie, vor Armut oder vor Krieg (https://www.youtube.com/watch?v=MXIaCvWhLgg).
Also komme ich gar nicht mehr dazu, darüber nachzudenken, worum es in Wirklichkeit geht – oder gehen müsste. Ich nehme die mir vorgegaukelte Realität an so gut ich kann und versuche, mich durch zu wurschteln. Aber manchmal versuche ich auch, Worte zu finden für dieses ungute Gefühl.
Was geschieht etwa, wenn ich das Wort Klimaschutz mit dem inzwischen altmodisch anmutenden Naturschutz ersetze? Worte sind wichtig (Neudeutsch “Wording”), denn sie lenken unsere Gedanken. Wisst ihr noch, wie wir, viele Hunderte, in Stade auf die Strasse gingen, um die Welt zu retten? Niemand hat sich geziert, zu behaupten: “Ich will die Welt retten”. Und niemand hat das als anmassend empfunden. Im Film haben wir es damals festgehalten, damit wir es nicht vergessen:https://wikistade.org/index.php?view=article&id=159:angststarre-oder-lebensfreude-film-zur-klimawoche-2019&catid=28
Seither bleiben wir fast alle zuhause. Schütteln die Köpfe vor der Glotze oder schalten das blöde Ding aus. Denn was erfahren wir hier? Etwa, dass Milliarden investiert werden in teures Flüssiggas aus den USA, weil der böse Putin den Gashahn abgedreht hat (Nein, lieber Herr Habeck, wir waren das, und unsere “Freunde” haben die Nordstream Pipeline zerstört). Große Erfolge der alternativen Energien meldet die Regierung, während der Rest Europas uns auslacht (dazu der Artikel „Triumphzug oder Wahlkampf?“ auf dieser Seite). Mein Installateur meldet Warteschlangen für neue Gas- und Ölheizungen. Könnte Habeck uns bald zwingen, teuere Wärmepumpen zu kaufen? Davor haben die Leute Angst. Das Gefühl, “ich muss die Welt retten” ist verflogen.
Und wie steht es mit der Elektromobilität? Muss ich bald ein teueres e-Auto kaufen? Warum wird nicht in die Bahn investiert? Warum darf eine Autobahn wie die A-20 so viel Moor zerstören?
Was “von oben” kommt ist immer kompliziert und teuer. Sehr teuer. Denn da wollen viele dran verdienen. Vergessen ist die Vision von Hermann Scheer, einem der Vorreiter der Energiewende, in seinem Buch “Der energethische Imperativ” (https://www.kunstmann.de/buch/hermann_scheer-der_energethische_imperativ-9783888977701/t-0/) Die Energiewende muss dezentral sein oder sie wird nicht sein. Die Energiewende ist ein “ethischer Imperativ” (so Scheer).
Und alles wegen des Klimas? Ist es nicht Hybris, “das Klima” beeinflussen zu wollen? Warum suchen wir nicht vorrangig den Ausbau dezentraler erneuerbarer Energien, die uns vor Monopolen schützen? Warum ziehen „die da oben“ high-tech Lösungen vor, die viel Geld bewegen und die Bildung von Monopolen erleichtern?
Warum schützen wir nicht vorrangig die Natur? Biotope? Warum bauen wir nicht verstärkt Naturschutzgebiete aus, begrünen Städte? Die Natur wird sich dann schon um ihr Klima sorgen!
Zuweilen stoße ich auf eine Meldung im Internet, in der behauptet wird, Bäume wären gute CO2 Speicher. Glückwunsch, Sherlock, das hast du toll entdeckt! Zum Glück gibt es noch Menschen, auch in leitender Position, die das auch wissen. Und handeln. Städte wie Paris oder Medellin in Kolumbien, haben die Luftqualität messbar verbessert und die Temperaturen gesenkt mit Bäumen. Es geschieht viel mehr Gutes, als wir denken. Hier ist immer eine gute Auswahl von positiven Meldungen zu finden: https://fixthenews.com/86-stories-progress-2024/?ref=fix-the-news-newsletter (leider nur auf Englisch. Eine Auswahl daraus übersetzen wir auf unserer Sparte “Das gefällt uns”).
Wichtiger noch: Auch lokal geschieht vieles, mit dem wir den Pessimismus bekämpfen können. Umwelt-Organisationen wie BUND, NABU, DUH oder Greenpeace veröffentlichen Newsletter, um über ihre Aktionen zu berichten. Das ist nie so groß, als das, was ein Habeck zu bieten angibt. Aber es ist echt, es ist wirksam, und es erlaubt uns, sinnvoll mitzumachen.
Wäre es nicht schön, wenn “die da oben” auch vermehrt auf die vielen kleinen Projekte achten würden? Auch in der Energiepolitik, im Bereich PV oder Windenergie, können wir dezentral vieles erreichen. Klar, wenn Bürger sich zu Genossenschaften verbinden wie etwa im Osteland (https://www.buergerenergie-osteland.de/projekte/), aber auch in Buxtehude und bald im Bereich Horneburg-Altes Land, verdienen die Grossen weniger. Aber zahlreiche Gemeinden machen heute schon vor, wie es geht. In den immer aktuellen Nachrichten der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) auf dieser Seite findet man unzählige Beispiele.
Es gibt auch eine Bewegung, die sich “Rewilding” nennt - deutsch “Renaturierung”- die der Natur wieder Platz schaffen will (https://utopia.de/ratgeber/rewilding-das-steckt-hinter-dem-renaturierungskonzept_187174/). In Schottland soll ein Drittel des Landes in ihren natürlichen Urzustand gebracht werden.
Und auch in der Landwirtschaft arbeiten weitsichtige Landwirte daran, mit ihrer Produktion zu erhalten, zu restaurieren, anstatt zu zerstören und auszulaugen (https://www.regenerative-landwirtschaft.de/). Auch Land, das aussieht, als wäre es unheilbar zerstört, kann geheilt werden. Von Jordanien über den afrikanischen Sahel bis nach China haben engagierte Agronomen und Bürger Wüsten wieder fruchtbar gemacht (Doku, Englisch: https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=YBLZmwlPa8A)
Leider rennen Journalisten lieber hinter Psychopathen wie Bill Gates her, der meint, wir sollten sein künstliches Fleisch essen, weil Kühe zu viel furzen. Oder wir sollen zumindest Fleisch von Kühen essen, die sein Mittel gegen das Furzen gespritzt kriegen.
Hört auf mit dem Wahnsinn. Glaubt eurem Bauchgefühl. Weder Bill Gates noch Elon Musk bieten Lösungen! Die wollen nur an jedem unserer Atemzüge etwas verdienen.
Lasst die Kühe furzen!

