Walter Tauber

antenna 1090089 1920Riskieren wir, verstrahlt zu werden? Eine Bürgerinitiative in der Samtgemeinde Fredenbeck ist jedenfalls davon überzeugt, dass der geplante Radarturm von Mulsum „eine Gefahr für Mensch und Natur“ darstelle. „Wir haben zufällig erfahren, dass in Mulsum auf dem Rübenkamp ein Radarturm von ca. 40 Meter Höhe von der Firma Quantec gebaut werden soll,“ so die neue B.I. in einem Rundschreiben. „Dieses Radar soll in einem Durchmesser von ca. 40 Kilometer nachts die Flugobjekte bis zu einer Höhe von 1000 Metern erfassen und die Lampen der angeschlossenen Windparks einschalten.“

Bislang hat sich noch kein Windpark dazu bereit erklärt, sich an dieses Radar anzuschließen. Eine gesetzliche Pflicht dazu gibt es nicht.

Sturm im Wasserglas also? Wenn sich Bürger zusammenschließen, um gegen einen Missstand zu protestieren, werden sie vielfach beschuldigt, das Wachstum ihren Partikularinteressen zu opfern. In Wirklichkeit aber haben Bürger allzu oft zu Recht das Gefühl, von der Politik im Stich gelassen oder gar überfahren zu werden (auf dieser Webseite haben wir über den vergeblichen Widerstand der Bürger von Helmste gegen einen Windpark berichtet).

Sei es die als „Fahrrinnenanpassung“ beschönigte Elbvertiefung, das zu einem „Industriekraftwerk“ verniedlichte Kohlekraftwerk der Dow oder der massive Dieselbetrug: Bürger haben Grund genug, offiziellen Erklärungen über Großprojekte zu misstrauen. Von der Boulevardpresse oft hämisch als „Wutbürger“ beschimpft, kämpfen sie trotzdem weiter für ihr demokratisches Mitspracherecht. Sie sind zu einem wichtigen Bestandteil der modernen Demokratie geworden und führen mutig einen ungleichen Kampf. Denn allzu kuschelig ist heute die Beziehung zwischen Politik und Wirtschaft. Eine Armee von Lobbyisten sorgt dafür, dass die Politik der Industrie den roten Teppich ausrollt.

Mag sein, dass diese globale Sicht übertrieben scheint bei einem so „kleinen“ Fall. Doch drängen sich gleich zwei Fragen auf:

  • Wie kann es sein, dass Bürger „zufällig“ von einem Projekt erfahren, bei dem noch so viele Fragen offen stehen?
  • Hat die Lokalpolitik geschlafen, oder sind die Verkäufer und Betreiber des neuen Gerätes heimlich vorgeprescht in der Hoffnung, man werde die Politik schon überzeugen können?

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Denn Tatsachen schaffen ist die Taktik der Projektbetreiber. Sie arbeiten beharrlich auf ihr Ziel zu, nutzen politische und administrative Prozeduren entschlossen zu ihrem Nutzen und rechnen damit, dass die Öffentlichkeit zu spät davon Kenntnis nehmen wird. Ist ein Projekt weit fortgeschritten kann der Betreiber mit seinem Recht auf Klage und Entschädigung drohen.

Noch ist es nicht so weit. „Es gibt weder einen Bauantrag bei uns, noch beim Landkreis Stade,“ erklärte Ralf Handelsmann, Bürgermeister der Samtgemeinde Fredenbeck, dem Stader Tageblatt. Das gibt den bislang 60 Mitgliedern der Bürgerinitiative Mut, denn sie haben schnell reagiert und können die Debatte um dieses und ähnliche Projekte mitbestimmen (Die B.I. trifft sich jeden Donnerstag um 19:30 im Deutschen Haus in Mulsum. Interessierte sind herzlich eingeladen).

Denn es gibt noch viele Punkte mit Bedarf an Aufklärung:

  • Ist die Debatte um die roten Blinklichter auf den Windparks nicht übertrieben? Ist es verantwortlich, hohe Investitionen wegen einer relativ geringen Belästigung zu verlangen? Wie wäre es etwa mit Vorhängen am Schlafzimmerfenster?
  • Wie schädlich sind Radarstrahlen wirklich? Kann man den offiziellen Angaben trauen?
  • Warum wird heute Radar „in aller Stille vorangetrieben“ (so Wilfried Beckmann vom BUND in Stade), wo es doch längst Alternativen gibt, passive Systeme, die bestehende Fernseh- und Mobilfunkwellen nutzen? Hat das etwa mit den zu erwartenden Gewinnmargen zu tun?

Neben Radar sieht Wilfried Beckmann ein noch beängstigenderes Thema: „Das 5G Mobilfunk Netz wird viel schlimmer,“ warnt er, „da kommt alle 100 Meter ein Funkturm, weil die Strahlen nur schwer durch die Mauern dringen.“ Und er verweist auf einen Offenen Brief, den der „Ärztearbeitskreis digitale Medien Stuttgart“ im August an den zuständigen Minister Andreas Scheuer (CSU) geschickt hat: „Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass die erste Studie, die Wirkungen der 5G-Frequenz untersucht hat, besorgniserregende Effekte gefunden hat,“ schreiben die Ärzte in ihrem langen Schreiben, das zahlreiche Studien zitiert. Der Brief im Wortlaut ist auf:
http://zeit-zum-aufwachen.blogspot.com/2018/10/arzte-aus-deutschland-fordern.html#more

Zum Thema Radar und Gesundheit bietet die WHO (Weltgesundheitsorganisation der UNO) auf ihrer Webseite folgende Informationen (leider nur Englisch):
http://www.who.int/peh-emf/publications/facts/fs226/en/

Wir haben hier nicht die Ressourcen, um diese Fragen gründlich zu recherchieren. Doch WikiStade soll auch hier eine offene Plattform sein, um die Debatte weiterzuführen.