Experten engagieren sich für Rad und E-Autos

von Steffen Kappelt

verkehrswende september 2019 kleinHingucker: Das rote Lastenrad auf dem Verkehrswendetag. Fotos: Kappelt

verkehrswende monheim september 2019Voller Einsatz fürs Fahrrad: der Verkehrswissenschaftler Heiner Monheim.Gekonnter Abgang der Verkehrsexperten: Professor Heiner Monheim, der sich für mehr Radverkehr einsetzt, schwingt sich auf auf sein Klapprad Richtung Bahnhof – auf zum nächsten Vortrag. Frank Felix Kruse, Ingenieur und ebenfalls Professor, lässt seinen Elektro-Golf in der Garage stehen. Kurze Wege aus der Stadt gehen besser mit dem Rad. Die beiden Verkehrsexperten sind die Zugpferde des Verkehrswendetags auf dem Sande in Stade.

Die Klimawerkstatt ist Veranstalter zusammen mit dem Wirtschaftsförderer des Landkreises. Landrat Michael Roesberg gibt den Startschuss zur Diskussionsrunde und zu der kleinen Messe auf dem Sande, kommt auch gleich mit einem Wunsch: ein Verkehrskonzept für die ländliche Region. Lange muss der Landrat nicht drum bitten. Im nächsten Jahr kommen kleine Elektrobusse auf den Markt. Roesberg sollte schon mal gleich hundert dieser Busse ordern, fordert Verkehrsexperte Monheim den Landrat auf. Statt in großen Gelenkbussen lediglich den Schülerverkehr zu organisieren, ließe sich die Zahl der Busnutzer deutlich erhöhen. Beispiele aus Nordrhein-Westfalen gebe es da einige, so Monheim. Roesberg müsste dafür nur das Geld noch locker machen.

Eine Menge Geld müsse auch in den Radverkehr gesteckt werden. Autos sollten aus den Städten gedrängt werden. Sonntagsfahrer auf zwei Rädern werden zu Alltagsfahrern. Deutlich mehr Geld brauche der Radwegebau. Dazu gehören vermehrt Radschnellwege. In der Summe müssten Millionen locker gemacht werden. Abschied vom Mythos Autoland.

verkehrswende kruse september 2019Lobt die E-Autos als sauber und wirtschaftlich: Professor Felix Kruse aus Stade.Aus zwei mach eins. Die Stader Familie Kruse fährt jetzt nur noch einen E-Golf, benutzt für längere Strecken die Bahn. Der Ingenieur und Hochschulprofessor Felix Kruse sagt der E-Mobilität eine große Zukunft voraus. Wasserstoff als Antrieb sei eher für Lastwagen und Züge geeignet, weniger für Personenwagen. Die Energiebilanz spreche fürs E-Auto, was häufig schlecht geredet werde. Die Betriebskosten liegen günstiger – mit fünf Euro lassen sich hundert Kilometer zurücklegen. Weil E-Autos aus weniger Verschleißteilen bestehen, sind die Stromer auch weniger reparaturanfällig. Trotz höherer Anschaffungskosten sind E-Autos günstiger in der Wirtschaftlichkeit. An der Wiederverwertung der Akkus, speziell der wertvollen Stoffe, werde gearbeitet, weiß Kruse.

Das Rednerzelt auf dem Sande ist von der Zukunft buchstäblich umzingelt. Die Stadtwerke und Händler stellen Fahrräder und E-Autos aus. Schick das rote Lastenrad, mit dem ein Händler den Sand umrundet. Kleinster Stromer ist der Zhi-Dou aus China, der von einem Händler aus Neu Wulmstorf verkauft wird.

Der Verkehrswendetag sollte fortgesetzt werden. Nicht gerade auf dem abgelegenen Platz am Kreishaus. Zielgruppe sind bisher die „Entscheiderinnen und Entscheider aus Wirtschaft und Verwaltung, die für die Beschaffung und den Betrieb von einzelnen Fahrzeugen und ganzen Flotten verantwortlich sind.“ Ein breiteres Publikum hat der Verkehrswendetag verdient. Das heißt Umzug auf den Pferdemarkt.

Siehe auch www.klimawerkstatt-stade.de