Ein Kommentar von Ulrich Hemke

FFF StadeUnabhängig vom uralten Thema Generationskonflikt bestand doch über lange Zeiten die Hoffnung der Eltern, dass es ihre Kinder „mal besser haben“. Seit einigen Jahren nehmen die Ängste zu, dass diese Hoffnung nicht mehr realistisch ist. Und dies zeigte sich bei den Wahlen etwa in den USA ebenso wie bei den weltweiten Protesten der Jugendlichen. Damit wurde das Thema Generationengerechtigkeit wieder aktuell.

Generationengerechtigkeit prägte über viele Jahre die Diskussion zu der Frage: wieviele Schulden dürfen die Politiker in Kommunen, Ländern und Bund machen? Wie viel  Tilgungslasten dürfen sie damit kommenden Generationen überlassen?  Diese Frage wurde „pragmatisch“ beantwortet mit dem Hinweis auf weiteres Wirtschaftswachstum und derzeit sprudelnden Steuereinnahmen.

Eine weitere Diskussion entstand durch die Frage, ob die Jungen angesichts des demographischen Wandels  (absehbar immer mehr Rentner und weniger Beitragszahler durch die geburtenschwachen Jahrgänge) nicht überfordert würden und bei der eigenen Altersversorgung Probleme bekommen. Auch hier wird dank Wirtschaftswachstum das Problem als beherrschbar angesehen und spielt derzeit in der politischen Debatte keine Rolle.

Durch die Demonstrationen der Jugendlichen gibt es aber seit einiger Zeit eine spürbare Ahnung bis hin zur Gewissheit, dass es um die Zukunft, um die Chancen der kommenden Generation(en) doch nicht (mehr) so gut bestellt ist. Und dass es nicht mehr „nur“ um Finanzprobleme geht (Verschuldung, Renten) sondern um ganz elementare Bedrohungen.

Während vor Jahr(zehnte)n der Spruch „Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt“ eher belächelt wurde, grüne Politiker als „Verbots- und Verzichtpolitiker“ attackiert wurden  und noch 2017 bei Wahlen schlecht abschnitten, hat sich die öffentliche Diskussion gravierend gewandelt. Zum einen durch die Diskussion um die Folgen des Klimawandels und in jüngster Zeit durch den Verlust der Artenvielfalt.

Während es immer noch Regierungen (z.B. USA) und Parteien (z.B. AFD) gibt, die den menschengemachten Klimawandel leugnen, wird der Protest der zumeist Jugendlichen inzwischen von der überwältigen Mehrheit der Wissenschaftler unterstützt. Ob die Politik, Regierung und Parteien, insbesondere in Deutschland, aber fähig sind, notwendige Konsequenzen für Klimaschutz und Artenvielfalt zu ziehen, bezweifele ich sehr.

Zum einen haben Parteien in erster Linie die nächsten Wahlen im Blick und argumentieren mit Hinweisen auf die Arbeitsplätze und zum anderen gibt es in der Wirtschaft entsprechende Abwehrstrategien - auch über die vorhandenen Medien.

Vor diesem Hintergrund bedarf es auch in der Region Stade anstelle des Klein-Kleins um mehr Radwege, mehr Bäume und Grün einer grundlegenden Debatte über die Schritte, die erforderlich sind,  der Jugend und kommenden Generation eine Zukunft zu sichern.

Angesichts derzeitigen Planungen der A 26 und A 20 oder  für LNG-Terminals – einhellig von Parteien, Verwaltungen und Wirtschaft und Presse begrüßt – halte ich es für wünschenswert, dass sich die Bürger Stades verstärkt mit den unterschiedlichen Bereichen befassen, die für Generationengerechtigkeit relevant sind.