Luft - ständig verfügbar.

von Harald Kaiser

Müllverbrennung

Es gibt Seeluft, gute und schlechte Luft. Manchmal auch dicke Luft. Dann geht man dem drohenden Ereignis lieber aus dem Wege.

Uns geht es hier um Luftqualität und um Faktoren, die diese Qualität mindern könnten. Es ist ein besonders wichtiges Thema für diese Region:

- Denn es betrifft alle in der Einheitsgemeinde Stade mit dem Hafen und der dazugehören-den Industrie in Bützfleth.
- Und nach Auffassung des Ärzteblattes vom 12. 11. 2014 sind Lungenerkrankungen auf dem Vormarsch (https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/57913/Lungenerkrankungen-auf-dem-Vormarsch).

Trotz allen Glanzes der Gewerbesteuereinnahmen ist Argwohn angebracht, wenn sich vagabundierendes Kapital hier niederlassen und die angeblich längst beerdigte Idee einer Müllverbrennungsanlage in Bützfleth wieder aktivieren möchte. Über das Vorhaben der „EBS Stader Besitz GmbH“ berichtete kürzlich auch die Neue Stader (https://www.kreiszeitung-wochenblatt.de/stade/c-politik/dicke-luft-ueber-der-stadt_a138578).

Müll produzieren wir alle und es ist im Grunde begrüßenswert, wenn sich jemand um des-sen Beseitigung kümmern und dabei noch Energie produzieren will.
Lobenswert!

Nur: Müll ist mehr als Müll. Müll ist ein Wirtschaftsgut, das in machen Regionen Europas in den Fängen eines Managements steckt, von dem man keinen Gebrauchtwagen kaufen würde. Aber bei Müll ist eben manches anders.

So wird deutscher Müll ungern in den Müllverbrennungsanlagen (MVA) zur Verwertung angenommen. Grund: Zu gut getrennt. Er brennt nur unter Hinzufeuerung von fossilen Brennstoffen, die eingekauft werden müssen und die Rendite schmälern.

Da ist ausländischer Müll besser geeignet.
Recherchieren kann man das im Internet unter dem Suchbegriff „Mülltourismus“: Schon bei Wikipedia findet man eine Definition. Und wer weiter recherchiert stößt auf erstaunliche Ergebnisse. Gerne erzählt, immer wieder, die dreckigen Geschäfte der Mafia (etwa in dieser ARD-Reportage: https://www.youtube.com/watch?v=J8YQv5Fn_Zw).

Eine MVA Stade-Bützfleth wäre ein möglicher Anlaufpunkt für Müll aus dem europäischen Ausland. Bis zu 205'000 Tonnen Müll aus dem In- und Ausland würde die Anlage herbei-schaffen, berichtet die Neue Stader. Davon wären 60'000 Tonnen hochgiftige Schlacke.

Müll, der gut brennt, erzeugt Wärme und Rendite. Aber auch Dreck. Wobei die Fahne je nach Windlage auch bis nach Schleswig-Holstein auf die rechtselbischen Gebiete wehen würde. Deshalb wehren sich auch dort die Bewohner der Kreise Steinburg und Pinneberg gegen die MVA Stade-Bützfleth.

Über den Kampf der Bützflether*Innen gegen die MVA berichtet deren Webseite ausführ-lich: https://www.buergerinitiative-buetzfleth.de

Aber nun zurück zur Luft, zur Stader Luft. Denn die Frage für Menschen, die der Abgasfahne einer MVA ausgesetzt sind, ist: Was für Giftstoffe stößt der Schornstein aus? Was war in dem gut brennbaren Müll so drin?

Gemessen wird aber gar nicht in Stade. Die Messstationen, aus denen die Werte für Stade errechnet werden, stehen in Altenbruch (Landkreis Cuxhaven) und in Jork, im Alten Land. Das mag zu früheren Zeiten mal gereicht haben, ist aber bei der Zunahme von kleinen und großen Emittenten in den letzten Jahrzehnten unzureichend.

Die BI Stade ist mit dem Umweltminister Lies einer Meinung: Stade-Bützfleth braucht eine eigene Luftmessstation. Das befürwortet auch die Stadt Stade. Sie würde gerne so eine Sta-tion betreiben und die Kosten der Messungen und Auswertungen übernehmen.

Nun aber schlägt der kommunale Merkantilismus zu: Wie viel kostet das? Und ist das nicht irgendwie billiger zu haben? Und kann es nicht noch billiger gehen?
Fünfzig Tausend Euro würde die Stadt Stade investieren. Für die umfassenden Messungen, die notwendig wären, müsste sie aber 130.000 € aufbringen.

So tritt man nun seit geraumer Zeit umweltpolitisch auf der Stelle und verdichtet dabei bestenfalls den Boden. Nur in der Sache bewegt sich die Stadt nicht.

Die Kommune hat gewiss keine kodifizierte Fürsorgepflicht gegenüber den Bürgern. Aber es sollte im Interesse der Gebietskörperschaft "Einheitsgemeinde Stade" liegen, für die Bürger Gesundheitsvorsorge zu betreiben.

Dazu gehört dann allerdings auch, genauso wie beim sauberen Wasser, eine Luftreinheit, die die Stadt lebenswert macht.

Da darf der Bürger, die Bürgerin, doch erwarten, dass die Stadt die Mittel zur Verfügung stellt, um ihre Luftqualität zu sichern.

Solange es bloß beim Song in der Telefonschleife der Stadtverwaltung über den "frischen Wind in Stade" bleibt, ist das ungenügend!