von Silke Hemke

Das von der Dow geplante Kraftwerk soll zu  mindestens 84 Prozent mit Kohle beheizt werden, mit bis zu 16 Prozent  Wasserstoff oder Biomasse. 84 Prozent sind keine „fossile Zusatzheizung“. Es ist ein Kohlekraftwerk mit etwas erneuerbarer Deko. Wenn Umweltminister Olaf Lies von einem „intelligenten Industriekraftwerk“ spricht, übernimmt  er voll die verschleiernde Sprache von  Dow Chemical. So werden Landtag und Öffentlichkeit getäuscht - verkohlt also.

Hier die Rede von Umweltminister Olaf  Lies im Landtag in Hannover vom 22. Juni:

„Sehr geehrte Frau Präsidentin!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Liebe Frau Byl!

Die Diskussion über das Kohlekraftwerk  in Stade wird seit vielen Jahren geführt. Ich will gleich zu Beginn sagen, dass es heutzutage keinen Investor geben wird, der ein Kohlekraftwerk baut, ob vor oder nach der Entscheidung der Klimakommission. Ein neues Kohlekraftwerk wird dort nicht entstehen.

Was das Unternehmen Dow dort vorhat, ist etwas ganz anderes. Dow will ein Industriekraftwerk bauen, das auf unterschiedlichen Quellen basiert, auf fossilen, aber auch auf erneuerbaren Quellen. Die Idee ist, im dortigen  Kraftwerksbereich vom ausschließlichen  Einsatz der Kohle wegzukommen. Das Unternehmen baut allerdings nicht selber, sondern braucht einen Partner.

Einen Neubau von Kohlekraftwerken wird es nicht geben. Davon können wir nach der Diskussion, in der wir uns befinden, überzeugt sein. Der Kohleausstieg wird nicht erst in 30 Jahren erfolgen, sondern irgendwann erkennbar da sein.
 
Was es aber geben kann, ist die kombinierte Form eines Kraftwerks, in dem  man sowohl mit fossilen Energieträgern, also Gas oder Kohle als auch mit Erneuerbaren, zum Beispiel Wind oder Wasserstoff,  arbeiten kann. Das halte ich auch für einen klugen Weg. Denn wir müssen immer daran denken, dass die ganze Struktur auch wirtschaftlich sein muss. Und da ist es mir lieber, schrittweise zu erneuern, als gar nichts zu machen. Und deswegen, wie gesagt, finde ich, dass der Weg, kein Kohlekraftwerk, sondern ein intelligentes Industriekraftwerk zu planen, bei dem man auch über fossile Zusatzbeheizung nachdenkt, ein guter Weg ist.  Dadurch wird sicherlich mehr Erneuerung geschaffen, als wenn man sagt: entweder zu 100 Prozent oder gar nicht.“