von Walter Tauber

smoke 258786 1920Während die Kohlekommission zögert und verschiebt und sich offenbar bei Großbaustellen inspiriert – sei es bei sinnlosen wie Stuttgart 21 oder endlosen wie beim Flughafen, der angeblich in Berlin entstehen soll - geht es vielerorts entschieden voran mit dem Kohleausstieg.

Das Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) sieht in Indien eine „Umwandlung, die schon jetzt im Gange ist.“ (http://ieefa.org/ieefa-asia-indias-electricity-sector-transformation-happening-now/). Der britische Zentralbankchef Mark Carney warnte bereits 2015, Investitionen in den Kohlesektor würden „ins leere laufen“. (http://www.bankofengland.co.uk/publications/Pages/speeches/2015/844.aspx) In Indien fanden seine Worte gehör. Schon zwei Jahre später verzichtete das Land auf geplante Kohlekraftwerke von insgesamt 13,7 Gigawatt (GW) Leistung und musste zudem zugeben, dass schon existierende Kraftwerke im Wert von 9 Milliarden US$ und 8,6 GW Leistung „nicht mehr wirtschaftlich“ seien. Noch 2016 war Wassermangel der Hauptgrund für die Schliessung von Kohlekraftwerken in Indien
https://unearthed.greenpeace.org/2016/03/29/indian-coal-so-thirsty/ Heute ist es der rasante Vormarsch der erneuerbaren Energien, vor allem der Photovoltaik, die alte Dreckschleudern vom Markt drängt.

Auch in Europa tut sich etwas, wenn auch ohne viel Beteiligung Deutschlands. Laut der Übersicht eines europäischen Umweltdachverbandes wollen Finnland, Portugal und die Niederlande die Kohleverstromung bis 2030 einstellen, Italien, Großbritannien und Österreich bis 2025. In Schweden und Frankreich sollen bis 2022 die letzten Kohlekraftwerke vom Netz gehen (https://beyond-coal.eu/data/)

Sogar in den USA schreitet der Ausstieg aus der Kohle voran. Laut einem IEEFA-Bericht vom letzten Oktober, wird 2018 ein Rekordjahr für den Kohleausstieg. Mindestens 22 Werke mit einer Gesamtleistung von 15,4 GW werden geschlossen. Damit wird der bisherige Rekord von 14,7 GW im Jahr 2015 übertroffen. (https://cleantechnica.com/2018/10/29/us-coal-on-track-for-record-capacity-decline-closing-15-4-gigawatts/) Das IEEFA erwartet, dass in den nächsten sechs Jahren weitere 21,4 GW Kohlemeiler vom Netz gehen. Zwischen 2018 und 20124 werden also 117 Werke mit einer Leistung von 36,7 GW geschlossen. Dass sind rund 15 Prozent der US-Gesamtleistung von 246 GW.

Im Januar 2019 will sich die Kohlekommission, die noch kürzlich posaunte, sie werde „bis Jahresende“ Resultate liefern, erst einmal wieder treffen, um zu reden. Klönschnak alleine bringt aber nichts.

Für Stade bietet sich nun eine einmalige Gelegenheit, das Image des energetischen Geisterfahrers los zu werden. Ein Satz, in dem die Stadt offiziell erklärt, auf ein Kohlekraftwerk zu verzichten, würde genügen, um Stade zum Vorreiter zu machen!