von Steffen Kappelt

Stephan Engel von Dow und Manfred Schubert von der Stader LNG-Gesellschaft. Foto: Kappelt

Stephan Engel von Dow und Manfred Schubert von der Stader LNG-Gesellschaft. Foto: Kappelt

Die Sektkorken können knallen. Die Pläne zum Kohlekraftwerk von Dow Chemical werden eingestampft. Das wünscht die Kommission zum Kohleausstieg. Was danach kommt, ist ungewiss. Drei Möglichkeiten hat die Dow, einer der größten Stromverbraucher in Deutschland: Am Markt Strom kaufen wie bisher und Strom in ihrem kleineren Gaskraftwerk erzeugen. Wahrscheinlich ist, dass die Dow ein größeres Gaskraftwerk baut und verflüssigtes Gas (LNG) aus den USA, Australien oder Katar über einen Terminal auf eigenem Gelände einführt. Bekannt ist, dass der Chemiekonzern Wind und Wasserstoff auf lange Sicht nutzen möchte – also eneuerbare Energie. Das ist die dritte Möglichkeit, die zugleich in die Zunkunft weist.

 

Stephan Engel, einer der Planer von Dow in Stade, hält sich bedeckt bei einer Podiumsdiskussion im Rathaus. Das Liquefied Natural Gas in einem neuen Kraftwerk einzusetzen, sei „technisch machbar“. Aber feste Pläne gebe es noch nicht. Die rote Karte aus der Kohle-kommission hat Dow wahrgenommen. Wie die rechtlich aussieht, das will Engel erst prüfen. Da braucht er nicht mehr lange zu prüfen. Bundesweite Energieversorger sagen seit Jahren entschieden Nein. Lohnt sich nicht mehr in Stade. Das Geld geht in Zukunftsenergie.

Manfred Schubert, Geschäftsführer  der Gesellschaft LNG Stade, rechnet sich gute Chancen aus. Der Terminal könnte jenseits von 2020 in Betrieb gehen. Im Endausbau soll Stade ab 2023 zehn Prozent des deutschen Gasbedarfs abdecken.

Auf Subventionen könne der LNG-Terminal verzichten, weil das Ge-schäft sich rechne, so Schubert. Der Gasbedarf wachse in den nächsten Jahren durchs Abschalten von Kohlekraftwerken.Die Niederländer steigen aus der Gasförderung aus, Norwegen wird weniger fördern, Deutschland auch. Durch Russen-Gas und LNG sei jenseits von 2020 wieder mehr Gas am Markt. Die Preise würden dann auch fallen, schätzt Schubert. Da muss auch LNG mitziehen. Denn der Preis ist heute durch Transport und Verarbeitung  generell höher als Gas aus der Röhre.

Warten auf die Zukunft

Gas, egal aus welcher Quelle, ist nur Übergangsenergie. Wie schnell der Übergang zur erneuerbaren Energie der Dow gelingt, da hält sich das Unternehmen bedeckt. Die Einschätzungen bei Wiki dazu sind gespalten. Die einen gehen davon aus, dass Strom aus Gas noch länger besonders in der Industrie gebraucht wird, andere Wikinger wünschen einen schnelleren Ausstieg. Vielleicht gibt Dow ja auch selber Gas beim Gasersatz. Umweltfreundlicher Wasserstoff könnte unter Einsatz von Windenergie in größeren Mengen produziert und gelagert werden.

Schubert braucht 25 Jahre, damit sich das Finanzinvest der australischen Macquarie-Bank rechne. Die Dow wird nicht Betreiber der LNG-Anlage, stellt aber das Grundstück zur Verfügung. Der Dow-Anleger wird durch die niedersächsische Hafengesellschaft N-Ports mit chinesischen Experten erweitert. Die Stader LNG-Gesellschaft plant die Anlage und betreibt sie auch selbst mit Hilfe von amerikanischen Experten, die Erfahrungen mit LNG-Anlagen haben.

Keine Aussage zu Fracking-Gas

80 Prozent des Gases aus dem geplanten LNG-Terminal könnten ins deutsche Netz wandern. Die Leitungen verlaufen nicht weit vom Dow-Gelände. Mit dem Rest sollen Schiffstankstellen und Laster betankt werden. Deutschland hat noch keine Erfahrungen mit LNG. Aber benachbarte Länder. Offensichtlich verlangt die Europäische Kommission, dass Deutschland sich nicht zu stark vom Russen-Gas abhängig macht und LNG-Terminals zulässt. Die Bundesnetzagentur wird offensichtlich darüber wachen, dass unterschiedliche Lieferanten den geplanten Stader Terminal ansteuern dürfen.

Die USA liefern häufig Gas aus umweltzerstörenden Quellen. Wie  die Welt vor Fracking-Gas geschützt wird, dazu äußerte sich in der LNG-Diskussion niemand. Ohne Öko-Zertifikat sollte kein LNG nach Deutschland kommen. Durch Fracking werden ganze Landschaften zerstört. Zudem strömt Methan aus – der Klimakiller. Da ist also Nachholbedarf. Dringend.