Aktion der „Artists for Future Stade, am 24.04.2020 

Der 24. April ist für uns, die Akteure der „Artists for Future“ ein denkwürdiger Freitag gewesen. Normalerweise hätten wir an diesem Tag, wie all die 34 Male zuvor, um 5 nach 12 vor dem Stader Rathaus gestanden und Jubiläum gefeiert, denn genau ein Jahr zuvor hatten wir unsere Mahnwache für das Klima ins Leben gerufen. Ein ganzes Jahr, in dem von Seiten der Politik wenig bis gar nichts zum Schutz des Klimas und gegen das Artensterben getan wurde. Für uns war es ein Jahr voller Aktionen, aber am 14. März dieses Jahres war es dann plötzlich Schluss mit der Mahnwache und leider auch Schluss mit unserer geplanten Aktion zur Unterstützung des Volksbegehrens gegen das Artensterben. Ein Virus war uns in unsere Planungen hineingegrätscht! Ein Virus, wie es ihn in seiner Gefährlichkeit in der Geschichte der Bundesrepublik nie gegeben hat. Und siehe da. Was über ein Jahr nicht möglich war, war plötzlich Wirklichkeit geworden, nämlich dass die Politik jetzt erstmalig in unserer Geschichte auf die Wissenschaft hörte. Was wir über ein Jahr angemahnt hatten, plötzlich funktioniert es. Als Klimawissentschaftler*in würde ich mich jetzt fragen, haben die Erkenntnisse von Virolog*innen im Vergleich zu KlimawissenschaftlerInnen ein größeres Gewicht? Und während jetzt, bedingt durch das Virus, zweieinhalb Monate mit Stillstand im Kampf gegen die drohende Klimaerwärmung vergangen sind, ist diese, von den allermeisten Bürgern und ihren Politikern unbeachtet weitergegangen. Nach einer Winterpause, die uns im Februar auch endlich etwas Regen gebracht hat, ist die, jetzt bereits im dritten Jahr herrschende, Dürre verheerender, als je zuvor über uns hereingebrochen. Alle freuen sich über die in voller Blütenpracht stehenden Obstbäume, aber bemerkt irgendjemand noch Bienen oder Hummeln?

Wir von den „Artists for Future“ waren natürlich, wie alle anderen auch, von der „Corona Krise“ betroffen. Auch uns wurde jetzt ganz plötzlich deutlich, wer die wahren staatserhaltenden Kräfte sind, und wie schäbig man diese in den vergangenen Jahren behandelt hat. Und auch wir erkannten, wer die Verlierer unseres Systems der ungebremsten Ressourcen-Verschwendung und der Geldanhäufung sind. Wert hat nur noch der Konsument. Alte und Kinder gehören nicht dazu, aber Kinder kann man ja noch zu Konsumenten machen.

Mit dieser Erkenntnis hatten wir beschlossen, uns zunächst diesen, von der Gesellschaft so im Stich Gelassenen zuzuwenden, und zunächst diesen unseren Dank und Trost zu spenden. Und wir tun das auf dieselbe Weise, wie wir auch für das Klima gekämpft haben: Wir lassen die Musik für uns sprechen. Und so kam es dazu, dass unsere Musikerinnen der „Artists for Future“, die „Capella Cecilia“, in den Innenhöfen der Altersheime und der Krankenhäuser für die Bewohner*innen, die Patient*innen und die Pflegekräfte spielten. Wir begannen auf dem Hof der Klinik Dr.Hancken“, dem Seniorenheim „Katharinenhof“, dem katholischen Seniorenheim „St.Joseph“, dem „Elbe Klinikum“ und dem „DRK-Heim“, und es wird auch noch weitergehen.

Am 24. April, dem Tag des „Klimaprotestes“ zogen wir dann aus, die Stadt Stade „einzukreiden“. Wir wählten dabei die gleiche Form des Protestes, die wir bereits am 20.08. des vergangenen Jahres bei unserer Aktion „Kreidezeit“ auf der Hohentorsbrücke gezeigt hatten.

Ziel dieser Aktion, die noch nicht abgeschlossen ist, soll es sein, einen Ring um die Innenstadt von Stade zu ziehen, indem wir das Pflaster mit Kreidezeichnungen, Statements und Parolen bemalen. Der Weg führt uns dabei vom Holzhafen, entlang den Wallanlagen, einmal rings um die Altstadt. Themen sind Klimakrise, Artensterben, Menschlichkeit und Toleranz gegenüber Angehöriger fremder Kulturen oder Religion. Die Krisen unserer Zeit, und die Wissenschaftler*innen prophezeien uns, es werden noch weitere und noch schlimmere kommen, sind nur zu bewältigen durch: Mitgefühl, Barmherzigkeit, Solidarität und dem Streben nach Schönheit, welches diesen Gedanken zugrunde liegt.

Der Kreidering beginnt am Holzhafen und reicht bis zur Fußgängerbrücke über den Wallgraben kurz vor dem Bahnhof. Jedermann ist eingeladen, ein Stück Kreide in die Hand zu nehmen und zu malen. Auch wir arbeiten weiter daran.