Mit Wasserstoff – Erst einmal kommt Flüssiggas

STADE. Der geplante Energieterminal Stade könnte eine Erfolgsgeschichte für erneuerbare Energien werden – für grünen Wasserstoff und synthetische, umweltfreundliche Gase. Könnte. Wenn nicht einige Hindernisse im Wege stehen.

Starten soll der Terminal mit flüssigem Erdgas, kurz LNG, das aus vielen Ecken der Welt per Schiff an die Elbe geschafft wird. Als besserer Antriebsstoff für Schiffe ist das ein Fortschritt gegenüber problematischem Diesel. Planer und Energieforscher sehen Liquefied Natural Gas als Übergangsenergie an, bis Wasserstoff und synthetische Gase das fossile Gas ablösen.

Der Hanseatic Energy Hub GmbH, die zusammen mit internationalen Investoren den Terminal am Bützflether Hafen für 800 Millionen Euro bauen will, liegen nach eigenem Bekunden unverbindliche Zusagen von LNG-Lieferanten vor. Bis Mitte des Jahres sollen daraus feste Zusagen werden. Daran ist der Wilhelmshavener LNG-Terminal Ende des Jahres gescheitert. Der Energiekonzern Uniper sagte darauf das Projekt ab. Vorerst, heißt es. Landesumweltminister Olaf Lies hofft, dass die Tankanlage im Jade-Weser-Port gleich mit grünem Gas und Wasserstoff befüllt wird.

Der LNG-Markt ist sensibel. Fracking-Gas aus den USA ist preislich seit Jahren in Europa nicht konkurrenzfähig. Und in Stade nicht erwünscht. Generell ist es ein Preiskampf zwischen dem Gas aus der Röhre und dem eingefroren LNG. Wenn die Pläne genehmigt werden, dann tickt die Uhr der Übergangszeit des Fossilgases. Vor 2026 dürfte die Anlage an der Elbe nicht fertig werden. Kohlestrom und Atomenergie werden abgeschaltet. Energieforscher gehen davon, dass zunächst mehr Gas als Ersatz gebraucht wird. Ab 2030 sinkt jedoch der Bedarf. Die erneuerbaren Energien legen stärker zu, aber der Gashahn wird nicht gleich abgestellt.

Die Konkurrenz bei den erneuerbaren Energien schläft nicht. Und das gleich nebenan. Das Kohlekraftwerk Hamburg-Moorburg ist stillgelegt. Anstelle des Kraftwerks soll dort grüner Wasserstoff produziert werden. In Moorburg könnten auch Schiffe mit Wasserstoff aus Nordafrika anlegen. Elektrolyseanlagen für grünen Wasserstoff brauchen noch ein paar Jahre, bis sie produzieren.

Wasserstoff ist das neue Hoffnungswort der erneuerbaren Energien, steckt aber noch in den Kinderschuhen. Die Helgoländer wollen im Zentrum der Windenergie Wasserstoff produzieren. Gleiches gilt für dänische Kunstinseln, die dafür gebaut werden. Und an der Elbe geht einiges in die gleiche Richtung. Dow Chemical hat Wasserstoff, der in der Produktion anfällt. Die LNG-Gesellschaft verspricht, dass sowohl grüne Gase neben dem fossilen LNG angelandet werden. Die Lagertürme könnten für beides genutzt werden. Windstrom ist eigentlich zu teuer für die Wasserstoffproduktion in Deutschland. Es sei denn, Windenergieüberschuss ist da. Aber Wasserstoffproduktion so nebenbei rechnet sich nicht.

Das sonnige Nordafrika ist da geeigneter. Bis dahin müssen größere Schiffe gebaut werden für den Transport nach Stade oder Hamburg. Transportnetze und Einsatzmöglichkeiten, etwa in der Industrie, entwickeln sich erst. Womit Haushalte künftig beheizt werden, ist buchstäblich ein heißes Thema – via Wärmepumpe oder über synthetisches Gase im Heizkessel.

Hinterm Horizont geht es weiter mit erneuerbaren Energie. Erst einmal läuft der Wettbewerb zwischen Gas und LNG aus Katar, Australien, auch Russland.

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