Ich weiß nicht mehr, ob es Maja Göpel war, die das so gesagt hat. Oder Volker Quaschning? Oder war es Claudia Kemfert? Wir haben ja eine große Zahl hochgescheiter Menschen, die uns immer wieder erklären, was geschieht und wie wir die große Krise unseres Planeten überwinden könnten. Wenn wir nur zuhören wollten. Und, wenn wir danach handeln würden.

Tun wir aber nicht. Wir greifen Begriffe wie „nachhaltig“ gierig auf und kleben sie überall ran als wären sie billige Deko. Wir reduzieren ausschlaggebende Konzepte zu Worthülsen für Politiker. „Nachhaltig“ aus dem Munde von Ministern wie Peter Altmeier oder Julia Klöckner? Bitte, die Sache ist zu ernst für Späße.

Die größte Bedrohung für menschliches Leben auf diesem Planeten sind wir selbst. Wir schaufeln unser Grab mit einer geradezu perversen Energie. Es ist, als würden wir einen von Granatsplittern zerfetzen Menschen mit einer Packung Pflaster verarzten wollen. So aber sieht heute Umweltpolitik aus. Wald? Eine Katastrophe, denn wir denken nur an das bewirtschaften. Das Meer? Eine Katastrophe, denn wir denken nur an Fischfang. Landwirtschaft? Eine doppelte Katastrophe: Tiere quälen wir systematisch und nennen das dann Tierwohl. Und Boden vergiften und verdichten wir so konsequent, dass es bald überall nur noch aussehen wird wie der Parkplatz vor dem Supermarkt.

Warum fallen wir so leichtgläubig auf Lügen herein? Wie etwa die Behauptung, nur industrielle Landwirtschaft könne die Welt ernähren? Warum lassen wir Wahnsinnsprojekte wie die Elbvertiefung durchgehen? Warum empören wir uns nicht mehr, wenn die EU uns vorrechnet, dass wir noch immer zu viel Gülle verspritzen und zu wenig Natur schützen?

Wir wollen, ganz einfach, die Wirklichkeit nicht sehen. Wir sind Meister im Verdrängen geworden. So greifen wir immer zu den am niedrigsten hängenden Früchten, zu Reformen und Reförmchen, die das todkranke System nicht bedrohen.

Wir sind wie der wegen Trunkenheit aus dem Lokal gewiesene Säufer, der versucht, an der Theke noch schnell einen letzten Schnaps zu ergattern. Wir sind süchtig nach fossilen Energiequellen, die uns das einträglichste, verschwenderischste und zerstörerischste Zeitalter der Menschheit beschert haben.

Grüner Wasserstoff – das soll die Zukunft sein, wenn wir unsere Lebensweise noch retten wollen. Mag sein, nur zu. Lasst uns dann gezielt forschen und entwickeln und die Infrastruktur dazu aufbauen. Aber es ist verlogen, auf dem Weg dazu noch schnell ein bisschen Kasse machen zu wollen mit Erdgas. Es ist zu spät für Übergangslösungen. Lasst uns den Begriff aus der Debatte verbannen. Einen Übergang bringt nur der vor, der partout nicht weiß, wie er sein Ding sonst verkaufen soll. Lasst uns ernsthaft über Wasserstoff diskutieren, anstatt ihn als Feigenblatt für LNG zu missbrauchen.

„Stade trommelt für das LNG-Terminal“ titulierte das „Stader Tageblatt“ im letzten Herbst. All jene, die mit ihrem engstirnigen industriellen Blick für das Kohlekraftwerk warben, „trommeln“ nun für das nächste Ding, das einigen Geld, dem Bürger aber mehr Umweltschäden bringen wird.

Man kann LNG nicht als Übergangslösung befürworten, wenn man eine CO2 Reduktion ernst nimmt. Jede Investition in fossile Energie ist eine Fehlinvestition. Wir brauchen weder LNG-Hafen noch Nordstream Pipeline, sondern massive Förderung erneuerbarer Energien. Doch Politik und Wirtschaft denken kurzfristig. Der britische Wissenschaftler Robert Stern hat vorgerechnet, dass wir 50 Jahre lang ein Prozent unseres jährlichen Haushaltes für die Verringerung von Treibgasemissionen ausgeben müssen, wenn wir nicht später und auf ewig zwischen fünf und 20 Prozent ausgeben wollen, um Klimaschäden zu reparieren. Fünfzig Jahre vorausdenken? Wann ist die nächste Bilanz fällig? Und wann sind die nächsten Wahlen?

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