KlimawandelEine zum bersten volle Seminarturnhalle, ein kompetenter Wissenschaftler und eine politische Partei als Gastgeber: wir erwarteten Lösungsansätze und eine Aufforderung zum Handeln. Der Vortrag von  Prof. Dr. Peter Lemke am 23. Oktober 2019 Der Klimawandel – unsere größte Herausforderung befestigte zwar unser Wissen, doch wegweisend war er nicht. 

Ein Kommentar von Yvonne Mayet (Parents for Future)

Den meisten Zuhörern des gut besuchten Vortrags ist wohl im Gedächtnis geblieben, dass Stade aufgrund des Deichschutzes auch bei einem Anstieg des Meeresspiegels weiter bewohnbar bleiben wird, sofern die Deiche ausreichend erhöht werden. Zumindest könnte das der Eindruck am Ende des Abends gewesen sein, wenn man nicht ganz genau auf die leisen Zwischentöne gehört hat. Denn wer sich jetzt hier im Norden in Sicherheit wiegt oder meint, mit einem verbesserten Katastrophenschutz wäre es getan, unterliegt einem Irrtum. Prof. Dr. Lemke, der auch am IPCC-Report maßgeblich mitgearbeitet hat, zeigte auf, dass sich der Norden weitaus stärker erwärmen wird als der Süden, sodass wir bei den steigenden Temperaturen froh sein könnten, sollte der Golfstrom in Zukunft weiter südlich enden. Er ist sich mit vielen anderen Wissenschaftlern einig, dass der Klimawandel menschengemacht ist, da der CO2-Eintrag chemisch nachweisbar und CO2 die maßgebliche Komponente ist.

Soweit dürften die Fakten den meisten Zuhörern bekannt gewesen sein. Auch, dass die Biosphäre in ihrer jetzigen Form nicht ausreicht, um das CO2 zu binden, und dass es nicht damit getan ist, Bäume zu pflanzen, dürfte kaum jemanden überrascht haben. Was mich allerdings überraschte, war der Mangel an Lösungsansätzen und der damit verbundenen Aufforderung zum sofortigen Handeln. Immerhin war der Referent einer Einladung der lokalen Politiker gefolgt, und der Titel des Vortrags ließ vermuten, dass die beträchtliche Zuhörerschaft nur auf Vorschläge wartete, um diese ‚Herausforderung‘ anzunehmen und alles in ihrer Macht Stehende zur Abwendung der drohenden Katastrophe zu tun – am besten sofort. Doch auch wenn Prof. Dr. Lemke erwähnte, dass die Wähler gedanklich weiter wären als die Politiker, beschränkten sich die konkreten Handlungsempfehlungen auf alltägliche Dinge wie verringerten Konsum und weniger Individualverkehr. Dies resultierte aus einer Grafik des Umweltbundesamtes, derzufolge die Faktoren Konsum und Mobilität, gefolgt von Heizung und Ernährung, den größten Anteil an der Treibhausgasemission haben. Für mich war das ganz erstaunlich, hatte ich doch währen der Climate Action Week durch den Film ‚Meat the Truth‘ erfahren, dass der Fleischkonsum weit größere Auswirkungen hat als der gesamte Verkehrssektor.

Fest steht jedoch, dass viele Wege zum Ziel führen, ob nun auf politischer Ebene in Form eines CO2-Fonds oder der unbestreitbar notwendigen Förderung Erneuerbarer Energien sowie der Verkehrswende oder auf privater Ebene im Rahmen der eigenen Möglichkeiten. Bei soviel geballtem Tatendrang, der zu Beginn des Vortrags unter der Zuhörerschaft spürbar war, hätte ich mir mutigere Aussagen und eine klare Aufforderung zum Handeln gewünscht – vor allem in Richtung der anwesenden Politiker. Wenn schon weitestgehend Einigkeit darin besteht, dass der Klimawandel menschengemacht ist, bedeutet dies auch, dass wir in der Lage sind, durch neue Technologien, eine angepasste Gesetzgebung und unseren kollektiven Willen zur Veränderung etwas zu bewirken. Dafür brauchen wir aber Wissenschaftler, die Lösungsansätze aufzeigen und eine klare Richtung für tatkräftige Bürger und Politiker vorgeben, um so den dringend benötigten Optimismus für die Klimaschutz-Bewegung zu befeuern.