Ich liebe Greta!Foto Greta von Twitter

Über Handeln und Nichtstun

„Zu lange sind die Politiker und die Menschen an der Macht mit Nichtstun gegen die Klimakrise davon gekommen. Wir werden dafür sorgen, dass sie das nicht mehr können. Wir streiken, weil wir unsere Hausaufgaben gemacht haben, die aber nicht.“ (Greta Thunberg).

Ein Kommentar von Walter Tauber

„Eine Lüge muss nur oft genug wiederholt werden, dann wird sie geglaubt.“ Diese Binsenwahrheit ist kein Goebbels-Zitat, obwohl viele das glauben und es gut zu ihm passen würde. Goebbels nannte seine Propaganda nicht Lüge, sondern „Probleme auf die einfachste Formel bringen.“

 Im Original: „Das Wesen der Propaganda ist deshalb die Einfachheit und die Wiederholung. Nur wer die Probleme auf die einfachste Formel bringen kann, und den Mut hat, sie auch gegen die Einsprüche der Intellektuellen ewig in dieser vereinfachten Form zu wiederholen, der wird auf die Dauer zu grundlegenden Erfolgen in der Beeinflussung der öffentlichen Meinung kommen.“ (Joseph Goebbels, Tagebuch, 29. Januar 1942, zitiert nach https://falschzitate.blogspot.com/2017/12/eine-luge-muss-nur-oft-genug-wiederholt.html).

Heute dient uns auch das Konzept des „framing“, um zu verstehen, wie die Gegner jeglichen Wandels vorgehen. Sie beeinflussen die Debatte, indem sie Rahmen setzen, um die Diskussion nur innerhalb eines von ihnen vorgeschriebenen, engen Raumes sich abspielen zu lassen. Sie sprechen gezielt die Werte der Gesellschaft an und emotionalisieren die Debatte. Angst vor Veränderung ist ihr Weg in die Köpfe der Menschen. Sie häufen Fakten auf, oft in verwirrender, ja abschreckender Menge, um einen Anschein von Rationalität zu schaffen. Doch ihr Gerede geht niemals über das Stammtisch-Niveau hinaus.

Zum Beispiel Greta Thunberg. Da geht es zunächst um die Person, um die junge Schülerin, die leicht behindert sein soll. Deshalb leicht zu manipulieren? „Eisig“ nennt sie etwa Brendan O'Neill, Herausgeber der rechtsradikalen britischen Webseite Spiked. Sie habe „eine monotone Stimme“ und „einen Blick voller apokalyptischen Grauens.“ Es geht auch dümmer: „Sollen wir alle einer Autistin folgen?“ fragt etwa Trudi Baumann auf Facebook. Oder Franz Karl: „Weil der hysterische Fratz keine realistischen Lösungen bietet und nur propagandistisches Trommelfeuer für weitere massensteuern (sic) schießt?“ (Dazu im Detail: https://www.nachdenkseiten.de/?p=53877).

Greta selbst hat eloquent auf diese Angriffe geantwortet. Sie sieht ihre Diagnose als „Superpower“ und versichert: „Wenn die Hasser sich auf dein Aussehen und deine Andersartigkeit einschießen bedeutet das, dass sie keinen Ausweg mehr haben. Dann weißt du, dass du gewinnst.“

Zweite Front der Hasskampagnen ist Gretas Umfeld. „Ferngesteuerte Marionette“ nennt sie etwa ein Winfried Valentin auf Facebook. Ihr Vater verdiene viel Geld mit ihrer Aktion. Ihre Mutter habe mal beim Eurovision Song Contest mitgemacht: das ist vielen offenbar Beweis genug, dass das Mädchen aus einem privilegierten Haushalt stamme. Andere sprechen ihr die Fähigkeit ab, für sich zu sprechen. Greta sei umringt von PR-Leuten, die ihre Botschaften fachgerecht konstruieren.

Darauf gibt es eine sehr einfache, nicht zu widerlegende Antwort: „Na und?“ Nehmen wir mal an, die schlimmst mögliche Hypothese sei die richtige und alle diese Angriffe auf ihr Umfeld würden der Wahrheit entsprechen. Wird dadurch die Botschaft in irgendeiner Art geschwächt? Es geht hier um eine sachliche Debatte, nicht um eine Heiligsprechung. Und die Botschaft ist klar und treffend:

„Einige Menschen, einige Unternehmen und vor allem einige Entscheider wissen ganz genau, welche unbezahlbaren Werte sie opfern, damit sie weiterhin unvorstellbare Mengen an Geld verdienen können,“ sagt die schmächtige Schülerin Greta Thunberg am World Economic Forum in Davos. „Und ich denke, dass viele von euch hier zu dieser Gruppe gehören.“

Ich kann nur sagen: Hut ab! Wenn wir alle solchen Mut hätten, wären wir unbesiegbar.

Schlimmer wird es, weil grausam langweilig, wenn die Klimaleugner „wissenschaftlich“ werden. Sie wiederholen endlos Unwahrheiten, Teilwahrheiten oder aus dem Zusammenhang gerissene Wahrheiten. Sie reihen Grafiken auf, bombardieren uns mit emotionalisierenden Bildern und schießen im Staccato rhetorische Fragen ab, die suggerieren sollen, dass sie die Antworten dazu haben.

Zum Beispiel Naomi Seibt, eine junge, angeblich hochintelligente junge Frau, die sich auf YouTube gerne wissenschaftlich gibt (https://www.youtube.com/watch?v=w_9DUPoI_WU). Das macht sie mit einer geschickten Fusion von Opferklagen („wir werden eingeschüchtert“) und einem pseudo-wissenschaftlichen Redeschwall, der manchem zunächst vernünftig erscheinen kann. Beim zweiten Durchgang erkennt jeder Widersprüche und krassen Blödsinn.

Kurze Auszüge (mit Angabe der Minuten im Video, meine Hervorhebungen): (0:30) Ich möchte... eure Skepsis anregen... Über das Thema Klimawandel herrscht ein absolutes Diskussionstabu …  (1:01) wir wurden lange genug von den Medien eingeschüchtert, und es liegt an uns, das Schweigen zu brechen … (1:23) Klimawandel ist ein Thema der Politik, welche die Wissenschaft mit einer klar vorgeformten Schlussfolgerung im Sinne der Profiteure missbraucht.... Wir wissen nichts genau, aber die Politiker beharren darauf, dass sie uns eine immense Steuerlast aufbürden wollen (3:44) und wie sie in unsere private Lebensweise eingreifen müssen, um den Planeten zu retten.

Ein YouTuber mit dem Namen SkepticPunk hat sich eingehend mit Naomi Seibts Video befasst. Er weist auf ihre rechtsradikalen Quellen hin, auf den frivolen Gebrauch von Fachausdrücken („fancy words“) oder auf die verdrehten Zahlen hin. „Man weiss gar nicht recht, wo anfangen,“ meint er. Liefert dann aber eine solide Kritik: https://www.youtube.com/watch?v=07dZwdLC5XQ.

KlimademoAber lohnt es sich überhaupt, sich mit solchem Geschwafel abzugeben? Denn das Ziel von Frau Seibt und ihresgleichen ist gar keine Debatte. Es geht diesen Leuten keineswegs darum, Sachverhalte zu klären. Ihr einziges Ziel ist es, Zweifel zu streuen. Die Leugner der Vernunft wollen die Klimabewegung schwächen, indem sie jene Bürger, die gewillt sind, auf die Straße zu gehen und für einen gesellschaftlichen Wandel einzutreten, durch Selbstzweifel lähmen.

Die Umweltbewegten, ob bei Fridays for Future und deren vielen Unterstützer (Parents-, Scientists-, Artists- oder Pädagogen for Future), ob bei Extinction Rebellion oder einer der vielen älteren Umweltorganisationen (BUND, Greenpeace, Nabu), werden als hysterisch dargestellt, als Panikmacher, mit denen man doch gar nicht vernünftig kommunizieren könne. Fragt sich nur, wo die Vernunft liegt. Die überwältigende Mehrheit der Wissenschaftler ist sich so einig, wie das in der  Wissenschaft überhaupt sein kann. Vieles ist noch immer im Fluß, das gehört zum Wesen der Forschung, und Projektionen in die Zukunft können nie absolut sein. Doch eines ist klar und wird fast täglich durch Meldungen über drohende Kipppunkte bestätigt: wir haben Grund zu großer Sorge.

Die Leugner bemühen sich, das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), ein von 195 Regierungen ernanntes Kommitee, als Zensurmacht darzustellen, die wahre Wissenschaft unterdrücken wolle. Wer sich eine Viertelstunde Zeit nimmt, um zu recherchieren, was das IPCC überhaupt ist, und wer die zahlreichen Klimakonferenzen der letzten Jahrzehnte verfolgt hat, wird gleich erkennen, wie haltlos dieses Argument ist.

Es ist keine Panikmache, wenn man den in der ganzen Welt tödlichen Stillstand der Politik endlich brechen will. Die Politiker selbst beweisen doch täglich, wie blind sie sind gegenüber den Problemen der Umwelt. Endlos diskutieren sie, ob sie CO2 besteuern wollen und wie, anstatt konkret Hauptverursacher wie Kohlekraftwerke stillzulegen. „Jedem sein e-Auto“ phantasieren sie, nur um eine grundsätzliche Diskussion über Mobilität zu vermeiden. Die schwarze Null im Haushalt erklären sie zur Religion, während sie gleichzeitig aufrüsten und noch mehr Autobahnen bauen.

Es ist keine Panikmache, festzustellen, dass dieses herumeiern, das die gegenwärtigen Amtsinhaber Politik nennen, nur in die Katastrophe führt. Lasst euch nicht entmutigen. Und steckt andere an mit eurem Drang zur Aktion.

Nur Reglose haben Angst vor der Klimabewegung, denn es könnte sich etwas bewegen.