Schmetterling

Homero Gómez González lebte für die Schmetterlinge. Und er starb für sie. Der 50-jährige Umweltschützer aus dem Mexikanischen Bundesstaat Michoacán kehrte am 14 Januar nicht mehr heim nach einem Treffen in El Soldado de Ocampo. 200 Freiwillige durchsuchten die Gegend. Die Polizeibeamten aus Ocampo und dem benachbarten Angangueo wurden festgehalten “zur Befragung”. Allzu oft steht in Mexiko die Polizei unter Verdacht wenn es um Verbrechen an engagierten Bürgern geht. Denn Homero setzte sich ein für den Erhalt des nahegelegenen UNESCO Biosphärenreservats MBBR El Rosario – das Schutzgebiet für Monarchfalter. Diese Orange und schwarz gezeichneten Schmetterlinge wandern jährlich bis zu 3600 Kilometer weit, von Kalifornien zur mexikanischen Sierra Nevada. Hier genügen ihnen wenige Hektar, um zu überwintern. Das Gebiet ist mit wertvollen Edelhölzern bewachsen. Die Holzfäller-Mafia hatte Homero und seine Familie schon öfters bedroht wegen seiner auf Twitter verbreiteten Videos aus dem Naturreservat und seines Einsatzes für Naturnahen Ökotourismus im Wald.

Zwei Wochen nach seinem Verschwinden wurde die Leiche Homeros gefunden in einem Brunnen in der Nähe von Ocampo. Die Untersuchung befand: Ertrinken durch Unfall. Sein Opfer ist kein Einzelfall. Die Menschenrechtsorganisation Global Witness zählt Mexiko zu den gefährlichsten Ländern der Welt für Umwelt-Aktivisten, es steht auf Platz sechs. Nur wenige Wochen vor Homero verschwand die 36-jähjrige Waldschützerin Irma Galindo Barrios in Oaxaca. In einem Jahr wurden in Mexiko 15 Umweltschützer wegen ihres Einsatzes umgebracht.

Am brutalsten trifft es aber ihre Mitstreiter auf den Philippinen: 2018 wurden 30 aus ihren Reihen niedergemacht, rechnet Global Witness. Weltweit waren es jede Woche drei Umweltschützer. Zwischen 2002 und 2018 ermordeten Landbesitzer oder Holzmafias 1738 Umwelt-Aktivisten in 50 Ländern. Und die Tendenz ist steigend. In Brasilien werden immer wieder Indianer und Naturschützer erschossen, erstochen oder erschlagen, weil sie sich der Rodung des Amazonas widersetzen. Auch in Kambodscha wurde Chut Wutty ermordet, weil er den Wald von einer korrupten Militärmafia schützen wollte.

Die Reihe ist schier endlos. Und solange alleine ökonomische Interessen, solange die “Export-Weltmeister” und Produktivitäts-Ideologie herrschen, wird das so weitergehen. Uns trifft es nur indirekt. Der britische Umwelt-Journalist George Monbiot fordert uns auf, darüber nachzudenken, wie privilegiert wir sind. Was kann uns schon passieren als Umweltschützer? Lästige Trolls im Internet? Eine Verhaftung wegen einer Besetzung? Hiebe von der Polizei in einer Demo? In großen Teilen der Welt aber bedeutet die Natur schützen sein Leben auf dem Spiel setzen.

Monbiot-Statement (Englisch)