Und wieder so ein Vortrag vor einem immer gleichen oder ähnlichen Publikum. Wie schon vor einigen Wochen Peter Lemke zeigt auch Olaf Specht sehr kenntnisreich und durchaus leidenschaftlich auf, was alles schiefläuft in Politik und Wirtschaft. Und obwohl ich ihn sehr schätze für sein umfangreiches Wissen und seine themenübergreifenden Schlussfolgerungen bewundere und mich von seiner Leidenschaft mitreißen lasse, fühle ich mich am Ende des Abends doch wieder ohnmächtig angesichts dieser großen Probleme, auf die ich als einzelner, engagierter Bürger keinerlei Einfluss zu haben scheine. Warum stehen die Wissenschaftler nicht vor dem Bundestag Schlange, um sich Gehör zu verschaffen? Warum harren sie dort nicht so lange aus, bis Konsequenzen aus ihren Erkenntnissen gezogen werden? Was nützen all diese Erkenntnisse ohne die Beharrlichkeit, sie immer und immer wieder an der richtigen Stelle vorzutragen? Sind wir die richtige Adresse dafür? Braucht es überhaupt noch wissenschaftliche Beweise, oder braucht es einfach nur Mut und Menschen, die sich ein Herz fassen und den Entscheidungsträgern unverblümt die Meinung sagen? Wo sind all die Gretas dieser Welt, all die Pippilottas, die sich im Pünktchenkleid mitten zwischen die Anzugträger und die Businesskostüme stellen und ihre Sonnenstrahlen in die gefrorenen Herzen schicken, die Schneeglöckchen im Bundestag herunterregnen lassen, weil nach jedem Winter der Frühling kommt und Hoffnung das Einzige ist, was uns aus unserer Starre herausreißen kann? Die kleinen, durchs Leben tanzenden Mädchen, die endlich mal wieder Farbe in die müden grauen Gesichter zaubern, die Feen mit ihrem Goldstaub, der selbst die dunkelsten Seelen wieder mit Leuchten erfüllt und zum Strahlen bringt? Warum fühlt sich ein Mensch, der einen Weltkrieg überlebt hat und die großen Zusammenhänge auf 70 Buchseiten einfangen kann, so unsagbar ohnmächtig, dass ihm während seines Vortrags die Stimme bricht? Warum lassen wir zu, dass uns dieser Abwärtsstrudel mit in die Tiefe reißt? Lasst uns Menschenketten bilden von hier bis nach China, quer über den Globus, lasst uns Lichter anzünden und die Fackeln der Hoffnung hochhalten.

Lesung Olaf Specht

Überall auf der Welt findet ein Umdenken, ein Bewusstseinswandel statt, und meine - unsere - Vision einer schöneren, besseren, bunteren Zukunft ist zum Greifen nah. Lasst uns gemeinsam laut werden und dieses Bild in die Herzen der Skeptiker und der Verzagten, der Unentschlossenen und der Verweigerer malen. Die Welt ist bereit, aus den Angeln gehoben zu werden. Und offensichtlich sind wir diejenigen, die den Hebel ansetzen sollen. Wir haben die Macht, Dinge zu verändern, jeder für sich und alle gemeinsam. Nennt mich eine Träumerin, aber ich gehe jetzt da raus und setze den Hebel an. Und wenn es nur meine Gartenschaufel ist.